Das Fischer-Inkrement, erklärt
Warum es das Inkrement gibt
Vor dem Inkrement endete jede Sudden-Death-Bedenkzeit gleich: Wer wenig Zeit hatte, begann Züge herunterzublitzen, Figuren flogen, und Partien wurden auf der Uhr statt auf dem Brett gewonnen. Bobby Fischer empfand das als künstlerisches Versagen des Schachs und entwarf eine Uhr, die für jeden abgeschlossenen Zug einen kleinen Zeitbonus gutschreibt.
Der Effekt ist tiefgreifend. Schon mit 2 Sekunden Inkrement kannst du in einer einfachen Stellung durch schnelles Ziehen Zeit gewinnen — ein technisch gewonnenes Endspiel lässt sich also tatsächlich verwerten, statt durch Zeit verloren zu gehen. Deshalb nutzt heute fast jedes ernsthafte Turnier — inklusive der FIDE-Weltmeisterschaft — ein Fischer-Inkrement.
Eine Bedenkzeit wie 5+3 oder 15+10 lesen
Schach-Bedenkzeiten werden als Grundzeit + Inkrement geschrieben:
| Notation | Grundzeit | Inkrement | Kategorie |
|---|---|---|---|
| 1+0 | 1 Min | — | Bullet |
| 2+1 | 2 Min | 1 s | Bullet |
| 3+2 | 3 Min | 2 s | Blitz |
| 5+3 | 5 Min | 3 s | Blitz |
| 10+5 | 10 Min | 5 s | Rapid |
| 15+10 | 15 Min | 10 s | Rapid |
| 90+30 | 90 Min | 30 s | Klassisch |
Das Inkrement wird für jeden Zug gutgeschrieben, auch für den ersten, und es gibt keine Obergrenze: Ziehst du schneller als das Inkrement, wächst deine Uhr sogar.
Inkrement vor oder nach dem Zug?
Es gibt zwei Arten, wie eine Uhr den Bonus anwenden kann, und gute Uhren (und Schachuhr) unterstützen beide:
- Fischer danach (Standard): Die Sekunden werden gutgeschrieben, wenn du deinen Zug abschließt und die Uhr drückst. So machen es fast alle Online-Plattformen und modernen Turniere.
- Fischer davor (FIDE-Stil auf manchen Uhren): Die Sekunden werden deiner Uhr in dem Moment gutgeschrieben, in dem dein Zug beginnt. Der praktische Unterschied ist subtil: Bei „davor“ kannst du nie flaggen, solange das Inkrement für deinen aktuellen Zug noch verfügbar ist; bei „danach“ verdienst du dir den Bonus erst mit dem Abschluss des Zuges.
Beim lockeren Spiel spielt der Unterschied selten eine Rolle — willst du aber die Bedingungen eines bestimmten Turniers simulieren, lohnt es sich, dessen Einstellung zu übernehmen.
Fischer vs. Bronstein vs. Delay
Das Fischer-Inkrement wird oft mit zwei verwandten Systemen verwechselt:
- Bronstein-Delay erstattet dir die verbrauchte Bedenkzeit zurück, bis maximal zur Bonushöhe — deine Uhr kann nie wachsen. Ein 5-Sekunden-Bronstein und ein 5-Sekunden-US-Delay sind mathematisch äquivalent, nur anders dargestellt.
- US-Delay (einfacher Delay) wartet eine feste Anzahl Sekunden, bevor deine Hauptzeit zu laufen beginnt. Beliebt bei USCF-Turnieren.
Faustregel: Fischer belohnt schnelles Spiel mit einer wachsenden Uhr; Bronstein und Delay schützen dich nur davor, bei schnellen Zügen Zeit zu verlieren. Unser Ratgeber Bronstein vs. Delay erklärt die Details.
Ein Fischer-Inkrement in der App einstellen
In Schachuhr nutzt jedes Preset mit einem „+“ bereits ein Fischer-Inkrement — 3+2 und 5+3 Blitz, 10+5 und 15+10 Rapid, 90+30 Klassisch und die FIDE-Turnierkontrolle. Für eigene Kontrollen erstellst du eine benutzerdefinierte Bedenkzeit, wählst Grundzeit und Inkrement und als Modus Fischer (nach dem Zug) oder Fischer (vor dem Zug). Du kannst sogar jedem Spieler ein anderes Inkrement als Vorgabe geben.
